WM 2010 in Südafrika

Die WM 2010 war die erste Fußball-Weltmeisterschaft, die auf afrikanischem Boden ausgetragen wurde. Weltmeister wurde die taktisch versierte Mannschaft aus Spanien (Tiki-Taka-Fußball). Die zweitjüngste deutsche WM-Elf aller Zeiten (nach 1934) erreichte den dritten Platz nach furiosen Siegen über England und Argentinien.

Allgemeines zur WM 2010

WM 2010 Statistik

AustragungsortSüdafrika
WeltmeisterSpanien
Teilnehmer32
Partien64
Tore145
Tore (Ø)2,27
TorschützenkönigThomas Müller (Deutschland)
5 Tore
Gelbe Karten261
Gelbe Karten (Ø)4,08
Gelb-Rote Karten8
Gelb-Rote Karten (Ø)0,13
Rote Karten9
Rote Karten (Ø)0,14
Zuschauer3.178.856
Zuschauer (Ø)49.670

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Zusammenfassung WM 2010

„Tröööööööööt!“ – vielen Zuschauern der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wird noch das Dauerdröhnen der Vuvuzelas in den Ohren klingen. Die betäubend lauten Blasinstrumente (131 Dezibel) bildeten, gemeinsam mit dem offiziellen Song Waka Waka, den Sound der WM. Obwohl die kolumbianische Sängerin Shakira im Refrain jedoch gebetsmühlenartig die Formel „this time for africa“ beschwor, erwuchs der südafrikanischen Heimmannschaft kein nennenswerter Rückenwind. Die Bafana bafana (etwa: „Jungs, jungs“) schieden nach einer enttäuschenden Vorrunde aus. Trotz frenetischer Fans reichte es lediglich zu einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage.

Spanien siegt mit Tiki-Taka-Fußball

Sportlich betrachtet, sah das Turnier mit Spanien einen würdigen Weltmeister. Das Team von Vicente del Bosque zeichnete sich durch seine taktische Finesse aus. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ließen die Spanier den Ball mit kurzen Pässen zirkulieren. Ein Spiel, das auch als Tiki-Taka-Fußball bekannt wurde. Der Nachteil: Durch die pausenlosen Passstafetten im Mittelfeld ergaben sich nur wenige Torraumszenen. Dementsprechend besiegelte La Furia Roja alle Spiele ab dem Achtelfinale mit dem Minimal-Ergebnis 1:0.

Für Tore erklärte sich stattdessen eine andere Mannschaft zuständig. Die furios aufspielende deutsche Elf versprühte insbesondere im Achtel- und Viertelfinale fußballerischen Glanz. Das 4:1 gegen England und das 4:0 gegen Argentinien überstrahlten die Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht. Und zwar so sehr, dass die Niederlagen gegen Serbien (0:1) und Spanien (0:1) sowie der Zittersieg über Ghana (1:0) in Vergessenheit gerieten.

Erste WM auf afrikanischem Boden

Abseits vom Spielfeld fiel die WM-Bilanz gemischt aus. Zwar blieb die von manchen Beobachtern gefürchtete Kriminalität weitestgehend aus. Die Stadien wurden, trotz zahlreicher Unkenrufe, ebenfalls rechtzeitig fertiggestellt. Jedoch hatte dieser Erfolg seinen Preis. Besonders die imposanten und milliardenschweren Stadionbauten, wie etwa das Greenpoint-Stadion in Kapstadt, werden inzwischen kaum genutzt. Das liegt in erster Linie daran, dass Rugby und Kricket in Südafrika einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen als Fußball. Dennoch: Die reibungslose Ausrichtung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden erfüllte das Land am Kap mit Stolz.

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Wo und wann fand die WM 2010 statt?

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wurde vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika ausgetragen. An dem Turnier nahmen 32 Mannschaften teil, die in 64 Partien gegeneinander antraten. Gespielt wurde in den Stadien der Städte Bloemfontein, Durban, Johannesburg (Ellis-Park-Stadion und Soccer City), Kapstadt, Nelspruit, Polokwane, Port Elizabeth, Pretoria und Rustenburg.

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Welche Mannschaften nahmen an der WM 2010 teil?

An der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nahmen insgesamt 32 Mannschaften teil. Darunter waren 13 Teams aus dem europäischen, sechs aus dem afrikanischen, fünf aus dem südamerikanischen, vier aus dem asiatischen, drei aus nord- und zentralamerikanischen und ein Team aus dem ozeanischen Verband. Hier kann eine Liste der Teilnehmerländer eingesehen werden:

UEFA (Europa, 13 Teams)

  • Dänemark
  • Deutschland
  • England
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Italien (amtierender Weltmeister)
  • Niederlande
  • Portugal
  • Schweiz
  • Serbien
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Spanien (späterer Weltmeister)

CAF (Afrika, 6 Teams)

  • Algerien
  • Elfenbeinküste
  • Ghana
  • Kamerun
  • Nigeria
  • Südafrika

CONMEBOL (Südamerika, 5 Teams)

  • Argentinien
  • Brasilien
  • Chile
  • Paraguay
  • Uruguay

AFC (Asien, 4 Teams)

  • Australien
  • Nordkorea
  • Japan
  • Südkorea

CONCACAF (Nord-, Mittelamerika, Karibik, 3 Teams)

  • Honduras
  • Mexiko
  • USA

OFC (Ozeanien, 1 Team)

  • Neuseeland

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Welche Mannschaft gewann die WM 2010?

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gewann Spanien. Zwar hatte La Furia Roja bereits mehrmals zum erweiterten Favoritenkreis gehört, ihren ersten Titel holte die spanische Elf jedoch erst bei der Europameisterschaft 2008. Umso mehr Nachholbedarf hatte sich anscheinend aufgestaut. Mit Tiki-Taka-Fußball schnürrte Spanien auch bei der WM 2010 seine Gegner ein. Der ballbesitzlastige, chancenarme Stil führte dazu, dass das Team von Trainer Vicente del Bosque alle K.O.-Spiele mit dem Minimalergebnis gewann. Zuletzt kamen Deutschland im Halbfinale und die Niederlande im Endspiel mit 0:1 unter die Räder. Nach dem WM-Titel 2010 sicherte sich die Seleccíon auch bei der EM 2012 den Sieg.

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Welche Spiele wurden bei der WM 2010 ausgetragen?

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wurden insgesamt 64 Partien ausgetragen. Die 32 Teilnehmerländer trafen zunächst in acht Gruppen à vier Mannschaften aufeinander. Sowohl die Gruppenersten als auch die Gruppenzweiten erreichten die sich anschließende Finalrunde. Vom Achtelfinale über das Viertel- und Halbfinale bis hin zum Finale (bzw. Spiel um Platz Drei) spielten die Teams im K.O.-Modus gegeneinander. Der komplette Spielplan kann hier eingesehen werden:

WM 2010 – Spiele & Ergebnisse

Vorrunde
Gruppe A
  • Südafrika vs. Mexiko (1:1)
  • Uruguay vs. Frankreich (0:0)
  • Südafrika vs. Uruguay (0:3)
  • Frankreich vs. Mexiko (0:2)
  • Mexiko vs. Uruguay (0:1)
  • Frankreich vs. Südafrika (1:2)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Uruguay374:0
2.Mexiko343:2
3.Südafrika343:5
4.Frankreich311:4
Gruppe B
  • Südkorea vs. Griechenland (2:0)
  • Argentinien vs. Nigeria (1:0)
  • Argentinien vs. Südkorea (4:1)
  • Griechenland vs. Nigeria (2:1)
  • Nigeria vs. Südkorea (2:2)
  • Griechenland vs. Argentinien (0:2)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Argentinien397:1
2.Südkorea345:6
3.Griechenland332:5
4.Nigeria313:5
Gruppe C
  • England vs. USA (1:1)
  • Algerien vs. Slowenien (0:1)
  • Slowenien vs. USA (2:2)
  • England vs. Algerien (0:0)
  • USA vs. Algerien (1:0)
  • Slowenien vs. England (0:1)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.USA354:3
2.England352:1
3.Slowenien343:3
4.Algerien310:2
Gruppe D
  • Serbien vs. Ghana (0:1)
  • Deutschland vs. Australien (4:0)
  • Deutschland vs. Serbien (0:1)
  • Ghana vs. Australien (1:1)
  • Australien vs. Serbien (2:1)
  • Ghana vs. Deutschland (0:1)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Deutschland365:1
2.Ghana342:2
3.Australien343:6
4.Serbien332:3
Gruppe E
  • Niederlande vs. Dänemark (2:0)
  • Japan vs. Kamerun (1:0)
  • Niederlande vs. Japan (1:0)
  • Kamerun vs. Dänemark (1:2)
  • Dänemark vs. Japan (1:3)
  • Kamerun vs. Niederlande (1:2)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Niederlande395:1
2.Japan364:2
3.Dänemark333:6
4.Kamerun302:5
Gruppe F
  • Italien vs. Paraguay (1:1)
  • Neuseeland vs. Slowakei (1:1)
  • Slowakei vs. Paraguay (0:2)
  • Italien vs. Neuseeland (1:1)
  • Slowakei vs. Italien (3:2)
  • Paraguay vs. Neuseeland (0:0)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Paraguay353:1
2.Slowakei344:5
3.Neuseeland332:2
4.Italien324:5
Gruppe G
  • Elfenbeinküste vs. Portugal (0:0)
  • Brasilien vs. Nordkorea (2:1)
  • Brasilien vs. Elfenbeinküste (3:1)
  • Portugal vs. Nordkorea (7:0)
  • Portugal vs. Brasilien (0:0)
  • Nordkorea vs. Elfenbeinküste (0:3)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Brasilien375:2
2.Portugal357:0
3.Elfenbeinküste344:3
4.Nordkorea3001:12
Gruppe H
  • Honduras vs. Chile (0:1)
  • Spanien vs. Schweiz (0:1)
  • Chile vs. Schweiz (1:0)
  • Spanien vs. Honduras (2:0)
  • Chile vs. Spanien (1:2)
  • Schweiz vs. Honduras (0:0)
PlatzMannschaftSpielePunkteTorverhältnis
1.Spanien364:2
2.Chile363:2
3.Schweiz341:1
4.Honduras310:3
Finalrunde
Achtelfinale
  • Uruguay vs. Südkorea (2:1)
  • USA vs. Ghana (1:2 n. V., 1:1)
  • Deutschland vs. England (4:1)
  • Argentinien vs. Mexiko (3:1)
  • Niederlande vs. Slowakei (2:1)
  • Brasilien vs. Chile (3:0)
  • Paraguay vs. Japan (5:3 i. E., 0:0 n. V.)
  • Spanien vs. Portugal (1:0)
Viertelfinale
  • Niederlande vs. Brasilien (2:1)
  • Uruguay vs. Ghana (4:2 i. E., 1:1 n. V., 1:1)
  • Argentinien vs. Deutschland (0:4)
  • Paraguay vs. Spanien (0:1)
Halbfinale
  • Uruguay vs. Niederlande (2:3)
  • Deutschland vs. Spanien (0:1)
Spiel um Platz Drei
  • Uruguay vs. Deutschland (2:3)
Finale
  • Niederlande vs. Spanien (0:1 n. V., 0:0)

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Wer schoss bei der WM 2010 die meisten Tore?

Erfolgreiche Torschützen gab es bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gleich vier: Diego Forlán, Thomas Müller, Wesley Sneijder und David Villa erzielten fünf Treffer. Zum besten Torschützen kürte die FIFA Thomas Müller, weil er außerdem noch drei Tor-Vorlagen für sich verbuchen konnte. Es folgt eine Liste der elf erfolgreichsten Torschützen:

RangSpieler (Mannschaft)SpieleToreTore pro Spiel
1Thomas Müller (Deutschland)650.83
2Diego Forlán (Uruguay750.71
Wesley Sneijder (Niederlande)750.71
David Villa (Spanien)750.71
5Gonzalo Higuaín (Argentinien)441
Róbert Vittek (Slowakei)441
7Miroslav Klose (Deutschland)540.8
Landon Donovan (USA)430.75
9Luís Fabiano (Brasilien)530.6
Asamoah Gyan (Ghana)530.6
11Luis Suárez (Uruguay)630.5

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Wer war der beste Spieler der WM 2010?

Die FIFA-Auszeichnung, Goldener Ball, ging an Diego Forlán aus Uruguay. Der Stürmer hatte mit seinen fünf Treffern maßgeblichen Anteil am überraschenden Erfolg (Platz 4) der Mannschaft aus Südamerika. Die Wahl zum Spieler des Turniers erfolgte durch Medienrepräsentanten, denen eine Liste aus 10 Spielern vorgelegt wurde. Auf den Plätzen Zwei und Drei landeten der Niederländer Wesley Snejder und der Spanier David Villa.

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Was war das Maskottchen bei der WM 2010?

Das Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika war ein Leopard mit grünen Haaren namens Zakumi. Der Name setzt sich aus den Wörtern „Zuid Afrika“ und „Kumi“ für die Zahl 10 in der Sprache afrikaans zusammen. Leoparden gelten allgemein als scheu und zurückhaltend, so gesehen kann der zaghafte Auftritt der südafrikanischen Gastgeber auch nicht wirklich verwundern. Das Team schied mit einem Sieg, einer Niederlage und einem Unentschieden bereits in der Vorrunde aus.

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Was war der offizielle Song der WM 2010?

Der offizielle Song der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 war Waka Waka (This Time for africa). Die kolumbianische Sängerin Shakira, die diesen Song gemeinsam mit der südafrikanischen Band Freshlyground performte, bediente sich damit bei dem in vielen Teilen Afrikas verbreiteten Soldatenlied Zangalewa der kamerunischen Gruppe Golden Sounds aus dem Jahr 1986.

Auch wenn Shakira den Refrain des Liedes Waka Waka in der zentralafrikanischen Sprache Fang sang, gab es Proteste im Gastgeberland. Viele Kritiker hatten afrikanische Künstler für den Soundtrack der ersten WM auf afrikanischem Boden erwartet. Dieser Wunsch wurde auch bei der offiziellen FIFA-Hymne ignoriert. Hier kam der us-amerikanische Sänger R. Kelly mit Sign of a Victory zum Zug.

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Was war der offizielle Ball der WM 2010?

Das offizielle Spielgerät der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wurde Jabulani genannt. Das Wort ist der Zulu-Sprache entlehnt und steht für „sich freuen“. Optisch stachen vor allen Dingen die in elf verschiedenen Farben gestalteten Dreieckselemente hervor. Die Zahl symbolisierte die elf verschiedenen Sprachen und Gemeinschaften Südafrikas. Sportlich stand der Ball des Sportgeräteherstellers insbesondere bei Torhütern in der Kritik: Iker Casillas (Spanien) kennzeichnete den Zustand des Balles beispielsweise als erschreckend.

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Was ist Tiki-Taka-Fußball?

Als Tiki-Taka-Fußball wird der Spielstil der spanischen Mannschaft während der Europameisterschaft 2008, der Weltmeisterschaft 2010 und der Europameisterschaft 2012 bezeichnet. Markenzeichen dieses Stils waren in erster Linie Kurzpassspiel und Ballbesitz. Mit einem Anteil von 60 % zirkulierte der Ball praktisch pausenlos in den Reihen der spanischen Offensive. Die Mannschaft von Vicente del Bosque schnürte ihre Gegner auf diese Weise ein und kassierte im Turnierverlauf lediglich 2 Gegentreffer. Zum Leidwesen der Zuschauer ergaben sich aus den ewigen Passstafetten im Mittelfeld allerdings nur wenige Torraumszenen. Folgerichtig erzielte Spanien nur acht Treffer und damit nur halb so viele Tore wie beispielsweise Deutschland. Nichtsdestotrotz war La Furia Roja mit diesem Stil äußerst erfolgreich: Spanien gewann alle drei oben genannten Turniere.

Die Ursprünge des Tiki-Taka-Fußballs gehen auf Johan Cruyff zurück. Die von der niederländischen Spieler- und Trainerlegende entwickelte Spielphilosophie des Totalen Fußballs stand für ein schnelles Kurzpassspiel, häufige Positionswechsel der Mannschaftsteile kombiniert mit Pressing. Cruyff setzte diesen Stil als Trainer sowohl bei Ajax Amsterdam (1985-1988) als auch beim FC Barcelona (1988-1996) erfolgreich um.

Der Begriff Tiki-Taka leitet sich von der spanischen Bezeichnung für ein Holzspielzeug aus den 1970er Jahren ab, die Klick-Klack-Kugeln.

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Deutsche Fußball­nationalmannschaft

Wie schnitt das deutsche Team bei der WM 2010 ab?

Die DFB-Auswahl um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller erreichte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika den dritten Platz.

Deutsche Kantersiege offenbaren Potenzial

Trotz des Ausscheidens im Halbfinale gegen Spanien (0:1) war die Stimmung in der deutschen Öffentlichkeit ausgesprochen positiv: Kein Wunder, denn besonders im Achtelfinale gegen England (4:1) und im Viertelfinale gegen Argentinien (4:0) hatte die deutsche Mannschaft regelrecht geglänzt. Überhaupt erzielte die DFB-Elf mit Abstand die meisten Treffer, nämlich 16 (Zweiter: Niederlande mit 12 Toren). Mehr noch: Sie stellte mit Thomas Müller sogar den Torschützenkönig.

Will man ein wenig Wasser in den Wein gießen, so genügt allerdings ein Blick auf die Vorrunde. Zum Auftakt kredenzte die DFB-Elf zwar ebenfalls ein 4:0 gegen Australien. Schon die zweite Partie gegen Serbien ging jedoch mit 0:1 verloren. Auch der 1:0-Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen Ghana war alles andere als ein fußballerischer Leckerbissen. Gar nicht zu reden, von dem Halbfinale gegen Spanien. Eine zuvor furiose deutsche Elf wirkte auf einmal eingeschüchtert und merkwürdig gehemmt. Die zweitjüngste deutsche WM-Mannschaft (Altersdurchschnitt: 25,33 Jahre) aller Zeiten hatte ihr großartiges Potenzial auf der Weltbühne gezeigt, was ihr jedoch noch fehlte war Konstanz.

Der Fluch von Wembley

In kurioser Erinnerung wird vor allem das Achtelfinalspiel gegen England bleiben: Beim Spielstand von 2:1 für Deutschland schoss Frank Lampard den Ball an die Latte, von wo aus er deutlich hinter der Torlinie auf den Boden prallte. Der Ball sprang anschließend wieder ins Spielfeld zurück und Schiedsrichter Jorge Larrionda (Uruguay) erkannte den Treffer nicht an; 44 Jahre nach dem legendären Wembley-Tor im WM-Finale 1966 hatte diesmal England das Nachsehen.

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Wer stand im Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2010?

Die deutsche Nationalmannschaft reiste mit 23 Spielern zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Bemerkenswerterweise verdienten zum ersten Mal seit 1978 alle Spieler ihr Geld bei Bundesligisten. Gleichwohl sich das nach der WM ändern sollte. Mit Arne Friedrich, Per Mertesacker, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil standen vier Spieler in jeder der sieben Partien auf dem Platz. Trainiert wurde das Team von Joachim Löw. Es folgt eine Auflistung des deutschen Kaders:

Spieler (Rückennummer)PositionDamaliger VereinGeburtstagSpieleTore
Manuel Neuer (1)TorwartFC Schalke 0427. Mär. 198660
Tim Wiese (12)TorwartWerder Bremen17. Dez. 198100
Hans Jörg Butt (22)TorwartFC Bayern München28. Mai 197410
Marcell Jansen (2)Verteidigung (Außenverteidiger)Hamburger SV4. Nov. 198541
Arne Friedrich (3)Verteidigung (Innenverteidiger)Hertha BSC29. Mai 197971
Dennis Aogo (4)Verteidigung (Außenverteidiger)Hamburger SV14. Jan. 198710
Serdar Tasci (5)Verteidigung (Innenverteidiger)VfB Stuttgart24. Apr. 198710
Holger Badstuber (14)Verteidigung (Innenverteidiger)FC Bayern München13. Mär. 198920
Philipp Lahm (16)Verteidigung (Außenverteidiger)FC Bayern München11. Nov. 198360
Per Mertesacker (17)Verteidigung (Innenverteidiger)Werder Bremen29. Sep. 198470
Jérôme Boateng (20)Verteidigung (Außenverteidiger)Hamburger SV3. Sep. 198850
Sami Khedira (6)Mittelfeld (Defensiv)VfB Stuttgart4. Apr. 198771
Bastian Schweinsteiger (7)Mittelfeld (Defensiv)FC Bayern München1. Aug. 198470
Toni Kroos (18)Mittelfeld (Offensiv)Bayer 04 Leverkusen4. Jan. 199040
Marko Marin (21)Mittelfeld (Offensiv)Werder Bremen13. Mär. 198920
Thomas Müller (13)Mittelfeld (Offensiv)FC Bayern München13. Sep. 198965
Mesut Özil (8)Mittelfeld (Offensiv)Werder Bremen15. Okt. 198871
Lukas Podolski (10)Mittelfeld (Offensiv)1. FC Köln4. Juni 198562
Piotr Trochowski (15)Mittelfeld (Offensiv)Hamburger SV22. Mär. 198440
Stefan Kießling (9)Sturm (Mittelstürmer)Bayer 04 Leverkusen25. Jan. 198420
Miroslav Klose (11)Sturm (Mittelstürmer)FC Bayern München9. Juni 197854
Cacau (19)Sturm (Mittelstürmer)VfB Stuttgart27. Mär. 198141
Mario Gómez (23)Sturm (Mittelstürmer)FC Bayern München10. Juli 198540

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Mit welcher Aufstellung spielte Deutschland bei der WM 2010?

Die taktische Grundformation der DFB-Auswahl bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika entsprach einem 4-2-3-1 System. Torhüter war Manuel Neuer. In der Viererkette spielten zumeist Jérôme Boateng, Arne Friedrich, Per Mertesacker und Philipp Lahm, davor sicherten Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger, als Doppelsechs, die Defensive ab. Zentral offensiv agierte Mesut Özil, auf den Außenbahnen stießen Lukas Podolski und Thomas Müller (im Bsp. Trochowski anstelle von Müller) immer wieder in die Spitze vor. Als Mittelstürmer kam zumeist Miroslav Klose zum Einsatz. Als Beispiel folgt die taktische Aufstellung der deutschen Mannschaft im Halbfinale gegen Spanien:

Deutsche Aufstellung (Halbfinale, Deutschland vs. Spanien, 0:1)

Deutsches WM-Team 2010
Deutsches WM-Team 2010

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Gegen welche Teams spielte Deutschland bei der WM 2010?

Deutschland traf bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zunächst in der Gruppe D der Vorrunde auf Australien (4:0), Serbien (0:1) und Ghana (1:0). Im Achtelfinale bezwang das Team von Joachim Löw England mit 4:1. Im Anschluss daran konnte die deutsche Elf im Viertelfinale auch das Team aus Argentinien mit 4:0 schlagen. Erst im Halbfinale scheiterte Deutschland am späteren Weltmeister Spanien (0:1); das Spiel um Platz Drei gewann die DFB-Auswahl schließlich mit 3:2 gegen Uruguay. Es folgt eine Auflistung der Partien mit deutscher Beteiligung:

Deutschland vs. Australien (4:0)

Gruppe D, 1. Spieltag

Tor(e): 1:0 Lukas Podolski (8.), 2:0 Miroslav Klose (26.), 3:0 Thomas Müller (68.), 4:0 Cacau (70.)

Gelbe Karte: Mesut Özil (12.), Craig Moore (24.), Lucas Neill (46.), Carl Valeri (58.), Cacau (90.)

Details

Datum/Ort: 13.6.2010, 20:30 Uhr in Durban (Moses-Mabhida-Stadion)

Zuschauer: 62.660

Schiedsrichter: Marco Antonio Rodríguez (Mexiko)


Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm (Kapitän), Arne Friedrich, Per Mertesacker, Holger Badstuber – Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira – Thomas Müller, Mesut Özil (74. Mario Gómez), Lukas Podolski (81. Marko Marin) – Miroslav Klose (68. Cacau)

Trainer: Joachim Löw

Australien

Mark Schwarzer – Luke Wilkshire, Craig Moore, Lucas Neill (Kapitän), Scott Chipperfield – Carl Valeri, Vince Grella (46. Brett Holman) – Brett Emerton (74. Mile Jedinak), Jason Culina, Richard Garcia (64. Nikita Rukavytsya) – Tim Cahill

Trainer: Pim Verbeek (Niederlande)

Deutschland vs. Serbien (0:1)

Gruppe D, 2. Spieltag

Tor(e): 0:1 Milan Jovanović (38.)

Gelbe Karte:Miroslav Klose (12.), Branislav Ivanovic (18.), Aleksandar Kolarov (19.), Sami Khedira (22.), Philipp Lahm (32.), Miroslav Klose (37.), Neven Subotic (57.) , Nemanja Vidic (59.), Bastian Schweinsteiger (73.)

Gelb-Rote Karte: Miroslav Klose (37.)

Details

Datum/Ort: 18.6.2010, 13:30 Uhr in Port Elizabeth (Nelson-Mandela-Bay-Stadion)

Zuschauer: 38.294

Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco (Spanien)


Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm (Kapitän), Arne Friedrich, Per Mertesacker, Holger Badstuber (77. Mario Gómez) – Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger – Thomas Müller (70. Marko Marin), Mesut Özil (70. Cacau), Lukas Podolski – Miroslav Klose

Trainer: Joachim Löw

Serbien

Vladimir Stojković – Branislav Ivanović, Neven Subotić, Nemanja Vidić, Aleksandar Kolarov – Zdravko Kuzmanović (75. Radosav Petrović) – Miloš Krasić, Miloš Ninković (70. Gojko Kačar), Dejan Stanković , Milan Jovanović (79. Danko Lazović) – Nikola Žigić

Trainer: Radomir Antić

Ghana vs. Deutschland (0:1)

Gruppe D, 3. Spieltag

Tor(e): Tor: 0:1 Mesut Özil (60.)

Gelbe Karte: Andre Ayew (40.), Thomas Müller (43.)

Details

Datum/Ort: 23.6.2010, 20:30 Uhr in Johannesburg (Soccer City)

Zuschauer: 83.391

Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco (Spanien)


Ghana

Richard Kingson – John Paintsil, Jonathan Mensah, John Mensah , Hans Sarpei – Anthony Annan – Prince Tagoe (64. Sulley Muntari), Kwadwo Asamoah – André Ayew (90.+2' Dominic Adiyiah) – Kevin-Prince Boateng – Asamoah Gyan (82. Matthew Amoah)

Trainer: Milovan Rajevac (Serbien)

Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm , Per Mertesacker, Arne Friedrich, Jérôme Boateng (73. Marcell Jansen) – Bastian Schweinsteiger (81. Toni Kroos), Sami Khedira – Thomas Müller (67. Piotr Trochowski), Mesut Özil, Lukas Podolski – Cacau

Trainer: Joachim Löw

Deutschland vs. England (4:1)

Achtelfinale

Tor(e): 1:0 Miroslav Klose (20.), Lukas Podolski (32.), 2:1 Matthew Upson, 3:1 Thomas Müller (67.), 4:1 Thomas Müller (70.)

Gelbe Karte: Arne Friedrich (47.), Glen Johnson (37.)

Details

Datum/Ort: 27.6.2010,16:00 Uhr in Bloemfontein (Free-State-Stadion)

Zuschauer: 40.510

Schiedsrichter: Jorge Larrionda (Uruguay)


Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm (Kapitän), Arne Friedrich, Per Mertesacker, Jérôme Boateng – Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira – Thomas Müller (72. Piotr Trochowski), Mesut Özil (83. Stefan Kießling), Lukas Podolski – Miroslav Klose (72. Mario Gómez)

Trainer: Joachim Löw

England

David James – Glen Johnson (87. Shaun Wright-Phillips), John Terry, Matthew Upson, Ashley Cole – Frank Lampard, Gareth Barry – James Milner (64. Joe Cole), Steven Gerrard (Kapitän) – Jermain Defoe (71. Emile Heskey), Wayne Rooney

Trainer: Fabio Capello (Italien)

Argentinien vs. Deutschland (0:4)

Viertelfinale

Tor(e): 1:0 Thomas Müller (3.)2:0 Miroslav Klose (68.), 3:0 Arne Friedrich (74.), 4:0 Miroslav Klose (89.)

Gelbe Karte: Nicolás Otamendi (11.), Thomas Müller (35.) Javier Mascherano (80.)

Details

Datum/Ort: 3.7.2010, 16:00 Uhr in Kapstadt (Kapstadt-Stadion)

Zuschauer: 64.100

Schiedsrichter: Ravshan Ermatov (Usbekistan)


Argentinien

Sergio Romero – Nicolás Otamendi (70. Javier Pastore), Martín Demichelis, Nicolás Burdisso, Gabriel Heinze – Maxi Rodríguez, Javier Mascherano (Kapitän), Ángel Di María (75. Sergio Agüero) – Lionel Messi – Gonzalo Higuaín, Carlos Tévez

Trainer: Diego Maradona

Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm (Kapitän), Per Mertesacker, Arne Friedrich, Jérôme Boateng (72. Marcell Jansen) – Sami Khedira (77. Toni Kroos), Bastian Schweinsteiger – Thomas Müller (84. Piotr Trochowski), Mesut Özil, Lukas Podolski – Miroslav Klose

Trainer: Joachim Löw

Deutschland vs. Spanien (0:1)

Halbfinale

Tor(e): 0:1 Carles Puyol (73.)

Details

Datum/Ort: 7.7.2010, 20:30 Uhr in Durban (Moses-Mabhida-Stadion)

Zuschauer: 60.960

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)


Deutschland

Manuel Neuer – Philipp Lahm , Arne Friedrich, Per Mertesacker, Jérôme Boateng (52. Marcell Jansen) – Sami Khedira (81. Mario Gómez), Bastian Schweinsteiger – Piotr Trochowski (62. Toni Kroos), Mesut Özil, Lukas Podolski – Miroslav Klose

Trainer: Joachim Löw

Spanien

Iker Casillas – Sergio Ramos, Gerard Piqué, Carles Puyol, Joan Capdevila – Sergio Busquets, Xabi Alonso (90.+3' Carlos Marchena) – Andrés Iniesta, Xavi, Pedro (86. David Silva) – David Villa (81. Fernando Torres)

Trainer: Vicente del Bosque

Uruguay vs. Deutschland (2:3)

Spiel um Platz Drei

Tor(e): 0:1 Thomas Müller (19.), 1:1 Edinson Cavani (28.), 2:1 Diego Forlán (51.), 2:2 Marcell Jansen (56.), 2:3 Sami Khedira (82.)

Gelbe Karte: Dennis Aogo (5.), Cacau (7.), Diego Pérez (61.), Arne Friedrich (90.+2)

Details

Datum/Ort: 10.7.2010, 20:30 Uhr in Port Elizabeth (Nelson-Mandela-Bay-Stadion)

Zuschauer: 36.254

Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)


Uruguay

Fernando Muslera – Jorge Fucile, Diego Lugano (Kapitän), Diego Godín, Martín Cáceres – Álvaro Pereira, Diego Pérez (77. Walter Gargano), Egidio Arévalo, Edinson Cavani (88. Sebastián Abreu) – Luis Suárez, Diego Forlán

Trainer: Óscar Washington Tabárez

Deutschland

Jörg Butt – Jérôme Boateng, Arne Friedrich, Per Mertesacker, Dennis Aogo – Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger – Thomas Müller, Mesut Özil (90.+1' Serdar Tasci), Marcell Jansen (81. Toni Kroos) – Cacau (73. Stefan Kießling)

Trainer: Joachim Löw

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Wer waren die deutschen Torschützen bei der WM 2010?

Thomas Müller war der erfolgreichste deutsche Torjäger bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Mit fünf Treffern in sechs Partien wurde er außerdem von der FIFA zum besten Torschützen des Turniers gekürt. Das deutsche Team war ohnehin in Torlaune: Mit 16 Treffern in sieben Spielen erzielte die Elf von Joachim Löw mit Abstand am meisten Tore vor dem niederändischen Team (12 Tore). Neben Thomas Müller taten sich insbesondere Miroslav Klose (4 Tore) und Mesut Özil (3 Tore) als Torjäger hervor. Es folgt eine Liste der deutschen Torschützen:

SpielerTore GesamtTore erzielt in Partie
Thomas Müller5Deutschland vs. Australien (Gruppenphase, Endstand: 4:0)
3:0 (68.)
Deutschland vs. England (Achtelfinale, Endstand: 4:1)
3:1 (67.)
4:1 (70.)
Argentinien vs. Deutschland (Viertelfinale, Endstand: 0:4)
0:1 (3.)
Uruguay vs. Deutschland (Spiel um Platz Drei, Endstand: 2:3)
0:1 (19.)
Miroslav Klose4Deutschland vs. Australien (Gruppenphase, Endstand: 4:0)
2:0 (26.)
Deutschland vs. England (Achtelfinale, Endstand: 4:1)
1:0 (20.)
Argentinien vs. Deutschland (Viertelfinale, Endstand: 0:4)
0:2 (68.)
0:4 (89.)
Lukas Podolski2Deutschland vs. Australien (Gruppenphase, Endstand: 4:0)
1:0 (8.)
Deutschland vs. England (Achtelfinale, Endstand: 4:1)
2:0 (32.)
Cacau1Deutschland vs. Australien (Gruppenphase, Endstand: 4:0)
4:0 (70.)
Arne Friedrich1Argentinien vs. Deutschland (Viertelfinale, Endstand: 0:4)
0:3 (74.)
Marcell Jansen1Uruguay vs. Deutschland (Spiel um Platz Drei, Endstand: 2:3)
2:2 (56.)
Sami Khedira1Uruguay vs. Deutschland (Spiel um Platz Drei, Endstand: 2:3)
2:3 (82.)
Mesut Özil1Ghana vs. Deutschland (Gruppenphase, Endstand: 0:1)
0:1 (60.)

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